KOSTENLOSER VERSAND AB 50€

    Véroniques Suche nach dem Cahor - eine Reise in die Vergangenheit

    Der Cahor – Steine! Sehr viele Steine. Wasser. Ein erstaunlicher Wein!

    Lange habe ich gebraucht, um herauszufinden, warum mir die Suche nach einem guten Cahors über Jahre hinweg so unheimlich wichtig war. Nachdem ich nun endlich fündig wurde, ist mir alles klar geworden.

    Ich muss nur 45 Jahren zurück blicken.

    Wer kennt sie nicht? Die Rivalität der Schwäger.

    Auf der einen Seite mein Vater, ganz stolzer Bordeaux-Winzer, und auf der anderen Seite mein Onkel, gebürtiger Montalbanais, der meinen Papa unbedingt von der Authentizität der Cahors-Weine und ihrer Trinkbarkeit überzeugen wollte. Die Bordeaux-Weine, behauptete er, seien zu „feminin“! Echte Kerle seien dagegen die Cahors, davon könne er sich gern selbst überzeugen. Zudem seien Cahor-Weine es gewesen, die dem Bordeaux erst zu seinem Ruhm verholfen hätten. Mein Vater glühte nach dieser Behauptung geradezu (welche heute übrigens kein Geheimnis mehr ist!).

    Also: Gesagt, getan, ab ins Auto, keine Wiederrede!! Und vor allem keine Autobahn. Wer die Gegend Quercy kennt, kennt auch die verdammt heißen Sommer, gefolgt von den langen, eisigen Wintern.

    Die Region quercinoise liegt im Südwesten Frankreichs, östlich an die Weinregion Bordeaux grenzend. Eine wildromantische, zauberhafte Landschaft, deren Fluss le Lot sein Bett durch steile, spektakuläre Felsabbrüche, Kalkklippen, aber auch satte, grüne Wiesen und Weinterrassen gegraben hat. Die kleinen Dörfer, die engen Gassen, die wunderbaren, regionalen Victualienmärkte, die grandiosen Sehenswürdigkeiten... dann der mittägliche Aperitif auf den blumigen Café-Terrassen gefolgt von unvergesslichen, köstlichen Mahlzeiten verliehen unseren Sonntagsausflügen einen unendlichen Charme; gerade aus Sicht des Teenagers, der ich damals war.

    Zur Verteidigung meines Onkels gehört die Tatsache, dass Cahors (Noir de Pressac, oder einfach „le Noir“ genannt, aus 70 % Malbec gekeltert), einst zu den berühmtesten Crûs gehörte. Der „Black wine“ wurde im Mittelalter zum Großteil nach England exportiert, erfreute sogar den russischen Zarenhof und - wer sagt‘s denn - wurde sogar von der russisch-orthodoxen Kirche als Messewein geordert. Klar, dass diese Vorgeschichte zum Riesenspaß der beiden so gegensätzlichen Rivalen beitrug, zumal der eine Kommunist und der andere anticlérical, also kirchenfeindlich, war! Welch eine Pointe ihres Wettstreits!

    „Eines ist sicher“, musste mein Vater zugeben, nachdem er mit grießgrämiger Miene den letzten Tropfen des besonderen Weins hinunterschluckte, „diese Weine werden sicher meinem Tod überleben.“

    Allerdings gehörte der Ruhm des Cahor zu diesem Zeitpunkt längst der Vergangenheit an. Mehltau und Reblaus hatten die Weinberge zerstört. Dazu setzte der Frost seiner Verbreitung im Jahr 1956 ein jähes Ende und von den damaligen 4500 überstanden gerade einmal rund 400 Hektar. Später wurde in dem Gebiet zum Großteil Malbec kultiviert; in kleineren Mengen auch Tannat und Merlot. In den Siebzigern waren die Cahors-Weine, um es charmant zu formulieren, unendlich „maskulin“: zu hart, zu eckig, zu grob, zu rustikal und sehr animalisch.

    Die Region, die vom atlantischen Klima mit mediterranen Einflüssen profitiert, erlebt heute eine wahre Renaissance. Nichtsdestotrotz war die lange Suche nach dem Cahors kein „caprice“, also Vergnügen.

    Die vielen Enttäuschungen, schlechte Erfahrungen mit einigen Winzern, die leider noch immer pampig arbeiten, haben mich oft Jahre zurück geworfen.

    Wer sich mit diesem Wein befasst, wird sehr schnell feststellen, dass es keinen universalen Cahors gibt. Das liegt besonders auch an der unendlich vielfältigen Landschaft: tolle Lagen im Tal, steinig-sandige Terrassen, kalkhaltige Terroirs und nicht zu vergessen die mineralischen Siderolith-Böden.

    Seltsamerweise - und ohne die Malbec Argentiniens und deren Winzer herabsetzen zu wollen - wurde mir kürzlich klar, dass ich mit meinem Sohn und Christian über die gleiche emotionale Art von Cahors-Weinen wie einst mein Onkel sprach. Ich behauptete, dass die Cahors zu den spannendsten Weinen der Welt gehören!

    Jeder Wein verfügt über seine sonderbare, individuelle Stilistik.

    Es ist unmöglich, einen Cahors in eine Schublade zu stecken, viel zu komplex ist er (was jedoch nicht bedeutet, er sei schwierig zu verstehen).

    Cahor ist wie die Büchse der Pandora - du öffnest das Elixier und wirst gleich vom Duft der enormen Vielfalt an Aromen in Bann gezogen. Elegant und kraftvoll zugleich. Ein Wein, der eine wunderbare Struktur bietet und dennoch frisch und geschmeidig bleibt, cremig, oft blumig, auch würzig, wenn ihm danach ist.

    Nach meiner langen Suche wurde ich fündig. Danke! Danke tonton, für die unvergesslichen Momente, deine Hartnäckigkeit hat sich doch gelohnt.

    À ta santé!!!!